RSM Unternehmer Report

Inhalt

Der RSM Unternehmer Report blickt auf die Ursachen langfristiger, ökonomischer Entwicklungen von Volkswirtschaften. Die Experten des RSM Netzwerks bewerten dafür die Strategie der Unternehmen, die Mentalität der Führungskräfte, das Unternehmensklima im Inland und wichtige makroökonomische Variablen. Auf europäischer Ebene haben 356 Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und weitere Berufsträger aus 14 europäischen Ländern an der Befragung teilgenommen.

Die Analyse der Antworten der deutschen Teilnehmer hat gezeigt, dass viele Voraussetzungen gegeben sind, dass auch weiterhin mit über dem Europäischen Durchschnitt liegenden, Wachstumsraten zu rechnen ist. Nach ihrer Einschätzung wird diese Entwicklung mit steigenden Nettoinvestitionen, einem Zuwachs an offenen Stellen, vor allem auch Teilzeitstellen, und einem weiteren Anstieg des Leistungsbilanzsaldos einhergehen. Nach Auffassung der Experten setzen deutsche Unternehmen, die international ausgerichtet sind, eher auf eine Qualitäts- als auf eine Preisführerschaft. Dabei agieren sie proaktiv und risikobewusst.

Über die Autoren

Michael Vogelsang ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der BiTS Iserlohn. Er war zuvor Chefvolkswirt des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW) und Journalist.

Niels Biethahn ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der BiTS Iserlohn. Er ist Leiter eines Forschungsinstituts in Dortmund. Früher war er unter anderem als Geschäftsführer eines VW-Zulieferers als auch als Unternehmensberater tätig.

Amit Ghosh lehrt Statistics an der BiTS Hochschule in Berlin und ist geschäftsführender Gesellschafter der INWT Statistics GmbH. Er ist Gründer der statistischen Beratungs-Einheit „fu:stat“ der Freien Universität Berlin.

Philipp Walther ist Dozent an der BiTS Iserlohn für statistische Methoden und Gesellschafter bei Weiße Q Consulting GmbH – einem unabhängigen Marktforschungs- und Beratungsunternehmen für die datenbasierte Optimierung von Marketing- und Kommunikationskanälen.

Hubertus Heuer lehrt an der BiTS qualitative und quantitative Marktforschungsmethoden. Er ist geschäftsführender Gesellschafter beim Marktforschungs-Institut Weiße Q Consulting GmbH.

Über RSM

In der RSM Deutschland GmbH haben sieben unabhängige Wirtschaftsprüfer- und Steuerberaterbüros ihre Kompetenzen gebündelt. Die rund 1.000 Mitarbeiter betreuen von 24 Standorten aus vor allem mittelständische Firmen in Fragen der Wirtschaftsprüfung, der Steuer- und Rechtsberatung, des Transaktions- und Risikomanagements sowie zu Restrukturierungsprozessen. Mit diesen multidisziplinären Dienstleistungen wurde 2013 ein Umsatz von 111 Millionen Euro erzielt. Damit zählt RSM Germany zu den zehn größten Prüfungs- und Beratungseinheiten in Deutschland. Aufgrund der Mitgliedschaft im weltweiten Netzwerk RSM International haben die Mandanten der RSM Germany Zugriff auf die Expertise von Prüfungsgesellschaften in über 100 Ländern.

Mehr zu RSM Germany unter:
www.rsmgermany.de

Studienkonzept

Die wissenschaftliche Frage hinter dem RSM Unternehmer Report lautet, ob strategische Entscheidungen von Unternehmen nicht nur eine Folge von, sondern auch eine Ursache für makroökonomische Entwicklungen sein können. Daher ist der Report als Expertenumfrage angelegt und die Experten werden gebeten, die Strategie der Unternehmen, die Mentalität der Führungskräfte und das Unternehmensklima im Inland einzuschätzen. Durch die geplante Wiederholung der Umfrage in halbjährlichen Abständen ergeben sich die benötigten Daten im Zeitverlauf, um diese Leitfrage analysieren zu können.

356 Experten aus 14 Ländern

Stichprobe

Für diese Studie wurden im Zeitraum vom 23. Juni bis 11. Juli 2014 107 Partner und Mitarbeiter der RSM in Deutschland befragt und deren Antworten mit den Antworten europäischer Partner verglichen. Neben den deutschen Teilnehmern haben 226 Wirtschaftsprüfer und Steuerberater aus Österreich, Belgien, Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Irland, Niederlande, Polen, Portugal, Spanien und Schweden teilgenommen. Als nicht EU-Mitglied hat Norwegen mit 23 Teilnehmer zum Datensatz beigetragen.
In diesem Bericht werden die Einschätzungen der deutschen RSM-Experten mit den Antworten auf europäischer Ebene (EU) verglichen. Aus den hier dargestellten europäischen Vergleichszahlen wurden die Werte aus Deutschland und Norwegen herausgerechnet.

Befragte nach Ländern

Expertenstatus der Befragten

In dieser Studie werden Wirtschaftsprüfer, Steuer­berater und weitere Berufs­träger des RSM Netzwerks aus 14 Europäischen Ländern als Experten befragt. Sie haben gemeinsame professionelle Standards, eine vergleichbare Ausbildung und besitzen tiefe Einblicke in die strategische Ausrichtung ihrer Mandanten. Diese gemeinsame Basis ermöglicht einen Vergleich der Ergebnisse über Länder­grenzen hinweg. Das umfassende Wissen über mehrere Kunden macht die Einschätzungen über strategische Fragen vergleichbar. Die Experten von RSM sind in ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen Frage­stellungen unabhängiger als Führungs­kräfte in Unter­nehmen. Dies hat den Vorteil einer professionellen Einschätzung frei von sozial erwünschten Antwort-Mustern. Die Expertise beruht auf lang­jähriger Berufs­erfahrung und der damit zusammen­hängenden Betreuung viel­fältiger Kunden aus verschiedenen wirtschafts­relevanten Branchen.

Mentalität von Deutsch­lands Führungs­kräften:
Proaktiv und risiko­bewusst

Inhaber und Manager treffen Entscheidungen in Unternehmen.
Die Entscheidungen werden von der Mentalität der Entscheidungsträger maßgeblich beeinflusst. Der RSM Unternehmer Report 2014 zeigt: Deutschlands Manager sind vergleichsweise proaktiv und risikoscheu.

RSM Unternehmer Report - Manager

Proaktivität

Generell verbinden Führungskräfte in deutschen Unternehmen ein proaktives Verhalten mit einer Aversion gegen Risiken. Dabei führen die Entscheider die Unternehmen so, dass diese eher als erste neue Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse einführen und diese nicht imitieren. Ebenso sind die Führungskräfte eher geneigt, sich aktiv mit dem Wettbewerb auseinanderzusetzen als einer "Leben-und-leben-lassen"-Mentalität zu folgen.

Risiko­bewusst­sein

Die Proaktivität deutscher Führungskräfte führt nicht zu einer großen Risikofreude. Deutlich ist, dass 53% der RSM-Experten der Meinung sind, deutsche Führungskräfte würden eher Projekte mit geringen Risiken bevorzugen. Auf europäischer Ebene (ohne Deutschland) liegt dieser Wert nur bei 39%.

Unternehmenskultur

Unter­nehmens­kultur in Deutsch­land

Der RSM Unternehmer Report fasst die politischen, organisatorischen und gesellschaftlichen Bedingungen, um ein Unternehmen zu gründen oder zu führen, in einem Faktor zusammen. Er besteht in dieser Studie aus 17 Einzelwerten und lässt sich in einzelne Dimensionen wie 'Gesellschaft', 'Beschäftigung', 'Organisationskultur', 'Institutionelle Bedingungen' und 'Finanzierung' unterteilen.

Bildungssystem und Rechtssystem

Das Bildungssystem und das Rechtssystem zählen zu den Pluspunkten bei der deutschen Unternehmenskultur. Über 58% der RSM-Experten beurteilen das Bildungssystem als gut oder sehr gut. 77% schätzen das Rechtssystem in Deutschland als effektiv ein. Der Vergleichswert zur Einschätzung des Rechtssystems liegt in den übrigen EU-Mitgliedsstaaten im Mittel nur bei 20%.


Finan­zie­rung

Die Verfüg­barkeit von Krediten wird im Ver­gleich zum euro­päischen Durch­schnitt weit besser bewertet. Über zwei Drittel der in Deutsch­land befragten Experten geben dies­bezüg­lich einen Wert zwischen 'neutral' bis 'sehr gut' an. Dies gilt aller­dings nur für Bank­kredite und nicht für die Risiko­finan­zierung. Risiko-Finan­zierungen für Inno­vationen oder Neu­gründungen sind den Experten zufolge in Deutsch­land ebenso schwierig zu erhalten, wie in anderen euro­päischen Ländern.

Fachkräfte

Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern ist laut der Hälfte der RSM-Experten ein Problem in Deutschland und wird damit pessimistischer bewertet als im europäischen Durchschnitt. Auch wenn nach Meinung eines RSM-Experten die Krise in Südeuropa noch dem deutschen Arbeitsmarkt nutze. Durch die allseits starke Nachfrage entstehe zwischen den Ländern eine Konkurrenzsituation um gut ausgebildete Arbeitskräfte.

Gründerkultur Deutschland

Es wird keine Veränderungen in der Anzahl von Unternehmern mit einem marktetablierten Geschäftsmodell erwartet. Gründen in Deutschland bleibt weiterhin wenig attraktiv. Die RSM Experten geben hierzu exemplarisch folgende Einschätzungen:

„Aufgrund der guten Arbeitsplatzsituation nehmen viele das Risiko der Selbständigkeit nicht in Kauf.“

„Sicherheitsüberlegungen lassen die potentiellen Jungunternehmer zu Anstellungsverhältnissen tendieren.“

„Work-Life-Balance wird sich negativ auf die Entwicklung der Anzahl der Selbständigen auswirken.“

Strategische Ausrichtung von Unternehmen

Die Mentalität der Entscheidungsträger und die Unternehmenskultur beeinflussen die strategische Ausrichtung. Dabei ergibt sich eine Differenzierung:

Strategisch offensive Unternehmen zeichnen sich durch eine klare Positionierung hinsichtlich eines starken Wachstums aus. Merkmale offensiv ausgerichteter Unternehmen sind (im Sinne "neuer Kombinationen" von Schumpeter) insbesondere:

  • •  Eintritt in neue Märkte
  • •  Einführung neuer Produkte
  • •  Konkurrieren in bestehenden Märkten
  • •  Übertreffen von Wettbewerbern und Erhöhung von Marktanteilen
  • •  Veränderung interner Strukturen, zur Steigerung der Gesamtproduktivität oder Kostensenkung


Internationale vs nationale Marktorientierung
Unternehmen haben unterschiedliche Marktausrichtungen: national agierende Unternehmen bieten ihre Waren oder Dienstleistungen auf heimischen Märkten an. Sie sind ausschließlich fokussiert auf den Binnenmarkt. International agierende Unternehmen bieten sowohl auf inländischen wie auch auf ausländischen Märkten an.

Inter­national aus­ge­richtete Unter­nehmen sind offensiver

Die Mentalität der Entscheidungs­träger und die Unternehmens­kultur beeinflussen die strategische Ausrichtung von Unter­nehmen. Dabei ergibt sich eine Differenzierung:

Den Anteil der offensiven Unter­nehmen an allen Unternehmen, die nur auf den inländischen Markt ausge­richtet sind, schätzen die Experten von RSM im Mittel (Median) auf 42% ein. Bei den international tätigen Unternehmen sind es dagegen 52%, die einer offensiven Strategie folgen. Die befragten Experten schätzen also jeweils Unternehmen mit internationaler Aus­richtung offensiver als Unter­nehmen mit einem aus­schließ­lichen Fokus auf inländische Märkte ein. Unter einer offensiven Strategie wird ein klares Bekenntnis zu einer Wachstums­strategie verstanden.

Deutsche Unter­nehmen setzen auf Qualitäts­führer­schaft

Die weitere Analyse der offensiven Unternehmen zeigt, dass nach Ansicht der Befragten die international tätigen Unternehmen eher auf eine Qualitäts- als auf eine Preisführerschaft setzen.

Dies schlägt sich auch in der Forschungsstrategie nieder, da die Bedeutung von Forschung und Entwicklung für international ausgerichtete Unternehmen etwas höher eingeschätzt wird als für Unternehmen, die nur auf dem inländischen Markt tätig sind. Aber auch die international tätigen Unternehmen setzen nicht alleine auf Qualität, sondern schöpfen gleichzeitig Kostenvorteile durch höhere Stückzahlen einzelner Produkte (economies of scale) aus. So lässt sich vermuten, dass der internationale Markt die Grundlage für größere Stückzahlen für die deutschen Qualitätsprodukte bietet, so dass die Unternehmen über die Ausnutzung von Skalenvorteilen dennoch preislich wettbewerbsfähig bleiben.

Wirtschaftliche Entwicklung in der EU

Die Europäische Kommission erwartet ein Wachstum des BIP in 2014 von 1,6%, in 2015 von 2,0%. (Schätzung der Europäischen Kommission, Frühjahrsprognose 2014)
Zu Berücksichtigen ist aber, dass die Erhebung der Daten noch vor dem akuten Ausbruch der Ukraine Krise stattfand, deshalb die Folgen der politischen Unsicherheiten nicht berücksichtigt sind.

Wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland

Die Befragten bewerten die Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wachstum der deutschen Wirtschaft weiterhin positiv. Diesbezüglich sehen RSM Experten im Schnitt steigende Nettoinvestitionen, einen Zuwachs an offenen Stellen - vor allem an Teilzeitstellen - und einen weiteren Anstieg des Leistungsbilanzsaldos. In diesem Zusammenhang wird auch das Geschäftsklima in der deutschen Wirtschaft bis Ende 2015 optimistisch eingeschätzt.

Resilienz

Einschätzung der wirtschaftlichen Resilienz Für Deutschland

Unter wirtschaftlicher Resilienz wird im Rahmen dieser Studie die Fähigkeit eines nationalen Wirtschafts­raumes verstanden, mit ökonomischen Veränderungen umzugehen. Die Autoren der Studie definieren strategische Resilienz ex ante als eine Kombination aus Proaktivität und Risiko­bewusstsein der Ent­scheidungs­träger, einer unternehmens­freundlichen landes­spezifischen Kultur und Unternehmen mit einer klaren Strategie.
Aus den vorliegenden Daten kann die Resilienz der deutschen Wirtschaft über dem eurpäischen Durchschnitt eingeschätzt werden. Gründe hierfür finden sich in der Proaktivität der Ent­scheidungs­träger bei gleichzeitigem Bewusstsein für wirtschaft­liche Risiken und der strategischen Trennung ihrer Aktivität auf internationalen und heimischen Märkten. Darüber hinaus bewerten die Befragten die Wertschätzung der Unter­nehmen gegenüber hren Mitarbeitern positiv, benennen allerdings den ausgeprägten Fachkräfte­mangel als mögliches Hemmnis für unternehmerische Veränderungs­prozesse.